Cuba libre
by Sören Stamer September 14, 2006 at 10:01 PM
Kuba hat noch kein GPRS-Netzwerk. Das ist im Urlaub auch durchaus von Vorteil, wenn man sich trotz Blackberry erholen möchte. Nur macht es das Bloggen schwieriger. Dennoch konnte ich es nicht lassen, ein paar Eindrücke zu notieren und hier nachträglich zu bloggen:
Havanna, 23.8.2006. Kuba ist anders. Irgendetwas in diesem Land strahlt auf besondere Weise ein angenehmes Gefühl der Sicherheit und Freude aus. Es mag an der sprichwörtlichen Lebensfreude der Kubaner liegen. Sie lächeln jedenfalls auffallend gern und viel. Und das, obwohl sie in gewisser Hinsicht nicht viel zu lachen haben. Ein freundlicher Kubaner - ich hielt ihn anfänglich für einen europäischen Touristen - erzählte mir von seinen finanziellen Sorgen als Familienvater, der eintönigen Arbeit in der Zigarrenfabrik, seiner Aufgabe 400 Zigarren pro Tag drehen zu müssen und dem unerfüllten Wunsch einmal in fremde Länder zu reisen. Ariel berichtete vom Stolz der Kubaner, dem besonderen Ansehen von Ernesto Che Guevara, von Ärzten, die abends ihr Auto nutzen, um Taxi zu fahren, und seinen Nebenverdiensten durch den illegalen Verkauf von Zigarren. Vom Auftreten her und aufgrund seiner sehr differenzierten Perspektive auf kubanische Politik und europäische Geschichte hätte ich Ariel eigentlich für einen leitenden Angestellten, Selbständigen oder auch Lehrer gehalten. Doch in Kuba gibt es keine Unternehmer. Ariel meint in zehn Jahren vielleicht. Ariel raucht Cohiba. Die billigen Zigaretten, nicht die teuren Zigarren. Er lachte gern und viel. Nur wenn er von den vielen Toten kubanischen Flüchtlingen vor Florida spricht, lacht er nicht. Er tat mir leid, als er sich am Ende unseres Gesprächs sichtlich überwinden mußte, um für seine Familie zu betteln.
NewChevy
Viele amerikanischen Autos aus den 50er Jahren sind optisch wirklich das Beste das einer Stadt passieren kann. Die Hersteller sollten die alten Designs schnellstens wieder aus den Schubladen holen. NewChevy, oder so. Die üppigen Formen schlagen in Sachen Sexappeal jedenfalls jedes stromlinienförmige Produkt aus der heutigen Autoproduktion. Ökologisch sind sie allerdings eine Katastrophe, diese Prachtstücke. In europäischen Städten sind die Abgase von Autos längst in Vergessenheit geraten. Man leidet nicht darunter, dass vor einem unzählige Autos fahren. In Kuba riecht man jedes einzelne. Besonders die alten Chevys. Die vielen mittelalten Ladas sind dazu so etwas wie ein Kontrapunkt. Sie stinken zwar auch zum Himmel. Nur sind sie dabei nicht so zeitlos schön anzuschauen.
Ernest Hemmingway
Hemmingway saß angeblich vor vielen Jahren auf meinem Stuhl. Hier genoß er gern seinen letzten Mojito am Abend. Und sollte es ein Mojito zuviel gewesen sein, blieb er gleich hier und nahm sich kurzer Hand ein Zimmer für die Nacht. Hier im Hotel Ambos Mundos. Die Kubaner erinnern sich gern an ihren Ernest Hemmingway. Die vielen Bilder und Gedenksteine an der Wand sprechen jedenfalls eine deutlich Sprache - nicht nur in einer Bar. Er war oder ist noch immer einer von ihnen. Wer so ausschweifend und intensiv gelebt hat, darf sich auch das Leben nehmen - meint jedenfalls Ariel.
Die Schönheit des Zerfalls
Wenn man mit offenen Augen durch die Strassen von Havanna läuft, erahnt man die frühere Pracht. Wunderschöne Fassaden. Charmante Details. Das Meiste zerfallen. Sozialismus ist der Tod - zumindest für die Häuser.
Ein Dutzend
Für eine Revolution reichen tatsächlich 12 Männer. 12 junge Männer zwischen 20 und 30 mit viel Enthusiasmus. Kaum vorstellbar. Eigentlich verrückt. Kuba ist halb so groß wie die alten Bundesländer. Wer hätte gedacht, dass ein Dutzend Studenten in einem Land dieser Größe erfolgreich eine Revolution gegen eine Militärdiktatur anzetteln können. Für diese Leistung empfinde ich Respekt - für das Nachfolgende allerdings weniger. Diese Jungs hatten offensichtlich keine Angst vor ihrem Traum. Und wie viele Menschen hat mich schon immer das eine Bild von Ernsto Che Guevara fasziniert, das wir alle vor Augen haben, wenn sein Name fällt. Enttäuschend, dass sie nichts Besseres aus ihrem Erfolg gemacht haben. Mal sehen, was die Zukunft bringt.
Darauf trinke ich jetzt noch einen Mojito.
Cuba libre.
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Comments
Hola Sören,
schön, dass du von der wunderbaren Insel wieder ins kühle, hanseatische Hamburg zurückgefunden hast :-)
Du weißt ja jetzt, wo du bahnbrechend interessante und absolut untechnische daily news abfragen kannst ... ;-)
Gruß & bis bald, Bettina
Posted by: Bettina | September 15, 2006 08:37 PM
halo sören:ja,cuba ist ein schoener und romantischer platz wenn man weiss dass man wieder weg kann.Habe dort meine cubanische frau eine aertztin rausgebracht,eine reine kriminalstory von der man mind2 tv fortsetzungen machen kann.hab auf meiner ersten reise 3000km mit dem mietwagen gemacht,nur land+leute geguckt kein
tourismus.fazit:wer kuba auf dem land kennt und sieht wie heruntergekommen alles ist,wer keinen einen dollar hat kann keine zahnbuerste oder zahnkreme und vieles andere lebensnotwendige
kaufen.die leute leben von reis,brot und schwarzen bohnen.1x im monnat200gr hack,80%soja,20%fleischreste,selbst fuer hunde in europa unverkaeuflich.wer als cubaner besuchsweise dollars mitbringt muss noch10%strafe bezahlen und ist gezwungen umzutauschen weil gegen dollars ueberhaupt nix mehr verkauft wird.habe nicht nur in afrika oder brasil kinder mit dicken baeuchen gesehn,auch in cuba(wegen unterernaehrung).
ausreisen darf nur einer der einen auslaender heiratet.jedes blatt papier von einer behoerde kostet 50-200$.aertzte,ingenieure und
andere fachleute die staatswichtig sind koennen ueberhauptnicht ausreisen.wer abhaut darf nicht mehr wiederkommen als strafe.
restaurants:in staatlicher hand meistens 3x so teuer wie in europa
und schlechte qualitaet,ruppige bedienung.bei den privaten(palladores)einige gute gefunden.
wer einen private freundschaft geschlossen hat sollte gelegentlich
ein wenig euro schicken auch10euro sind in kuba viel.achtung nicht im einschreibebrief,alles wird geklaut.
wie in jeder religion so muss es auch in der politik immer wieder eine reformation geben.die alten helden sind muede und taugen nichts mehr in kuba.grosses geschenk:ein mobiltelefon das noch funktioniert mit einer aufladkarte fuer sms,(die man ab und zu ein wenig laden muss)sms ist der einzige billigdraht in die freiheit!
vorher anrufbeantworter mit *002# abschalten sonst macht der erste anruf schon die karte leer.kuba ist mit telefonieren das teuerste der welt,beide zahlen,nur sms ist billig.
gruese von Jimmy aus brasil
Posted by: max sommer | April 18, 2007 12:58 AM